3D-Druck

Fensteradapter und Streamlit-App für die Midea PortaSplit

Ein Fensteradapter für die Midea PortaSplit, der eingebaut eher wie ein Teil des Fensters wirkt als wie ein Provisorium und inzwischen auch als Streamlit-Generator nutzbar ist.

Der Plan war ursprünglich denkbar simpel: Fenster auf, Leitungsbündel durchlegen, fertig. Das funktioniert. Für eine Woche. Vielleicht zwei. Aber dauerhaft wollte ich kein offenes Fenster zur Straße – und das tägliche Rein-und-Rausfummeln war nach ein paar Tagen nervig genug, dass ich anfing, mir etwas anderes zu überlegen.

Die Midea PortaSplit ist interessant, weil sie die Idee einer Split-Klimaanlage mit dem Auf- und Abbauen einer normalen mobilen Klimaanlage verbindet. Außeneinheit draußen, kein dicker Abluftschlauch, der die Kühlleistung direkt wieder frisst – das macht tatsächlich einen Unterschied. Der einzige Haken: Innen- und Außeneinheit lassen sich nicht trennen, die Kältemittelleitung ist fest verbunden. Eine einfache Kernbohrung durch die Wand geht also nicht – oder sie müsste so groß sein wie die Außeneinheit selbst. Eine Fensterdurchführung ist da eigentlich ideal: einmal eine größere Öffnung, um die Außeneinheit rauszubringen, und dann nur noch der kleine Schlitz im Fensterrahmen, wenn alles geschlossen ist.

Warum ich überhaupt ins Fenster geschnitten habe

Bei meinem Fenster war die improvisierte Variante schnell keine echte Option mehr. Das Fenster zeigt zur Straße. Außenlärm ist ein Thema, und ein offenstehendes Fenster im Erdgeschoss zur Straßenseite fühlt sich schlicht nicht gut an. Diese typischen Klettlösungen für mobile Klimaanlagen lösen das Kernproblem auch nur halb – das Fenster bleibt faktisch ein Sommer-Provisorium, das man jeden Abend anschaut und denkt: na ja. Ich wollte etwas, das eingebaut bleibt und nach nichts aussieht.

Das hieß am Ende: ein Schlitz in den inneren Rahmen. Nicht komplett durch den gesamten Fensterrahmen – nur so weit, dass das Leitungsbündel sauber durchgeführt werden kann. Trotzdem ein echter Eingriff, den ich nicht kleinreden will.

Technisch war das weniger dramatisch, als es klingt. Für die vertikalen Schnitte habe ich eine Hand-Metallsäge genommen, für die horizontalen ein Sägeblatt im Multitool. Das Multitool war dabei das entscheidende Werkzeug: Der horizontale Schnitt liegt direkt am Anschlag des Rahmens, wo eine normale Säge kaum Platz hat. Mit dem Multitool kommt man dort gut rein. Die eigentliche Herausforderung war, möglichst präzise zu sein – nicht weil das Werkzeug schwierig ist, sondern weil man hinterher lieber nicht nachpfuschen möchte. Ehrlich gesagt war es vor allem ein Hoffen, dass es gut geht.

Der geschnittene Innenrahmen mit sichtbarem Durchlass für das Leitungsbündel.
Der Schnitt im inneren Rahmen ist der eigentliche Eingriff, um den sich das ganze Projekt dreht.

Die erste Version war kompromisslos auf mein Fenster gebaut

Das erste Modell war perfekt auf mein Fenster abgestimmt – ein denkmalschutz-zugelassenes Kunststofffenster mit Fliegengitter und einer Übergangskante zur Fensterbank, in die ich eingesägt habe. Sehr spezialisiert, kaum auf andere Fenster übertragbar. In der Praxis war es ein Drei-Teile-System: ein fester Basiseinsatz, der im Rahmen bleibt, ein Durchführungseinsatz für das Leitungsbündel im Sommer und ein Blindeinsatz für den Winter, wenn die Klimaanlage weg ist und die Öffnung wieder geschlossen sein soll.

Klingt simpel, und das war es am Ende auch. Im Alltag war das genau das, was ich gesucht hatte. Die Klimaanlage bleibt den Sommer über stehen. Im Herbst kommt der Blindeinsatz rein, fertig. Kein tägliches Auf- und Abbauen mehr.

Alle Bauteile des PortaSplit-Fensteradapters in Bambu Studio.
Zu sehen sind Rahmen, Durchführungseinsatz oben und unten sowie der Blindeinsatz.

Was nach knapp zwei Jahren Praxis hängen geblieben ist

Das Wichtigste zuerst: Bei meinem Fenster funktioniert das Setup weiterhin gut. Unspektakulär – genau so, wie man das will. Der Adapter sitzt, das Fenster schließt normal, und es gibt keine auffällige Zugluft. Das Leitungsbündel ist schmal genug, dass der Einsatz noch ordentlich abdichtet.

Was ich nicht erwartet hatte: wie sehr das dazu beiträgt, die PortaSplit insgesamt anders zu erleben. Die Klimaanlage fühlt sich dadurch eher wie eine halb-permanente Installation an. Morgens einschalten, abends ausschalten. Keine Improvisation mehr, kein täglicher Gedanke ans Abdichten.

Einen Vorbehalt muss ich trotzdem nennen: Ob das auf andere Fensterprofile genauso gut zutrifft, weiß ich nicht. Mein Rahmen ist ein denkmalschutz-zugelassenes Kunststofffenster mit einem sehr spezifischen Profil. Bei anderen Materialien, anderen Profilen, anderen Einbausituationen kann das Ergebnis anders aussehen. Das Modell war nie als universelle Lösung gedacht – erst recht nicht das erste.

Die eingebaute PortaSplit-Durchführung bei vollständig geschlossenem Fenster.
Eingebaut wirkt das Ganze eher wie ein Teil des Fensters als wie ein nachträglicher Fremdkörper.

Der unangenehme, aber notwendige Disclaimer

Das hier ist ein persönliches Maker-Projekt und keine universelle Bauanleitung.

Wer so etwas nachbaut, verändert im Zweifel einen Fensterrahmen. Das kann Dichtigkeit, Stabilität, Gewährleistung, Mietverhältnis, Feuchteverhalten oder Einbruchschutz betreffen. Ich kann nicht beurteilen, ob dieselbe Lösung bei anderen Fenstern sinnvoll oder überhaupt vertretbar ist.

Mehrfach messen, die eigene Situation selbst bewerten und im Zweifel lieber nicht sägen als falsch sägen.

Warum daraus eine App wurde

Nach der Veröffentlichung kamen ziemlich schnell Rückfragen nach der Konstruktionsdatei. Ich habe sie herausgegeben, aber ehrlich gesagt ist eine CadQuery-Datei für jemanden, der einfach einen Fensteradapter drucken will, kein sinnvoller Ausgangspunkt. Zu fensterspezifisch, zu viel Einarbeitung nötig.

Das eigentliche Problem war: Interesse war da, aber mein Modell passte eben nur für mein Fenster. Für alle anderen war es höchstens Inspiration. Der logische nächste Schritt war deshalb kein neues fixes Modell, sondern ein Generator. Fenster messen, Werte eintragen, Teile erzeugen – der unangenehme Teil sollte nicht mehr CAD-Arbeit sein, sondern sauberes Messen.

Außerdem hatte ich schlicht Lust auf ein Vibe-Coding-Projekt. Ich wusste aus erster Hand, was so ein Generator braucht – ich hatte es ja gerade selbst gebraucht, nur brutal auf mein eigenes Fenster zugeschnitten. Also habe ich den Techstack – Streamlit, Python, CadQuery – mit Hilfe von OpenAI Codex zusammengetackert.

Was der Generator aktuell kann

Die App ist bewusst auf dieses eine Problem zugeschnitten: eine druckbare Fensterdurchführung für das PortaSplit-Leitungsbündel aus eigenen Messwerten abzuleiten. Der Ablauf ist direkt:

  1. Die relevanten Fenstermaße strukturiert aufnehmen.
  2. Die Geometrie als 2D-Querschnitt vorvisualisieren – und prüfen, ob die Zahlen Sinn ergeben.
  3. 3D-Druckdateien und Dokumentation erzeugen.

Der 2D-Querschnitt ist dabei fast wichtiger als die Formulare selbst. Ein Zahlendreher sieht in einem Eingabefeld oft harmlos aus. In der Profilansicht merkt man deutlich schneller, wenn die Geometrie plötzlich keinen Sinn mehr ergibt.

Exportiert werden aktuell:

  • einzelne STL-Dateien für alle Bauteile
  • ein ZIP mit allen STLs
  • eine JSON-Datei mit der vollständigen Konfiguration
  • eine PDF mit allen relevanten Maßen – praktisch für die Werkstatt oder wenn man Monate später noch wissen will, was genau man damals gemessen hat

Bevor man herunterlädt, zeigt ein Exportdialog eine Vorschau aller Bauteile. Eigentlich ein Entwickler-Feature, das ich irgendwann drin gelassen habe – aber es ist schön anzusehen, und man sieht sofort, ob alle konfigurierten Optionen auch wirklich auf den Teilen landen.

Zwei neuere Features, die mir persönlich wichtig waren: Erstens gibt es jetzt einen Wiederherstellungsschlüssel. Wenn ein Teil nachgedruckt werden muss – Verschleiß, kleine Änderung, einfach nochmal gebraucht – kann man damit die komplette Konfiguration direkt wieder laden, ohne alles neu auszumessen. Zweitens können Konfigurationen inzwischen für die Community eingereicht werden. Wer ein Fenstermaß hat, das für andere nützlich sein könnte, kann es direkt in der App einreichen.

Deutsche Eingabemaske der Streamlit-App zur Konfiguration der Fenstergeometrie.
Die App führt durch die relevanten Maße, statt dass man direkt in CAD herumstochert.
2D-Geometrievorschau der Streamlit-App für die Fensterdurchführung.
Die Vorschau ist der schnelle Realitätscheck, bevor aus Zahlen druckbare Teile werden.

Technisch ist das Ganze halb Web-App, halb CAD-Werkzeug

Die Oberfläche läuft in Streamlit, weil das für so einen geführten Konfigurator der pragmatische Weg war. Ich wollte kein Frontend-Projekt daraus machen, bevor überhaupt klar ist, ob der Generator in der Praxis für andere Fenster taugt.

Darunter steckt CadQuery. Die Teile werden nicht aus einer vorbereiteten STL irgendwie gedehnt, sondern aus den Parametern neu aufgebaut. Genau das war der Punkt: Sobald Fensterprofile unterschiedlich werden, ist bloßes Skalieren keine ernsthafte Lösung mehr.

Das Projekt ist außerdem sehr klar mit Vibe-Coding entstanden – iterativ mit OpenAI Codex gebaut, umgebaut, getestet, wieder verworfen. Das hat für diese Mischung aus UI, Geometrie und Export erstaunlich gut funktioniert. Die Richtung kam aber nicht aus dem Promptfenster, sondern aus einem echten Fenster mit echter Klimaanlage und ziemlich konkreten Zwängen.

Häufige Fragen

Wie hast du den Rahmen tatsächlich geschnitten?

Für die vertikalen Schnitte habe ich eine Hand-Metallsäge genommen, für die horizontalen ein Sägeblatt im Multitool. Das Multitool war das wichtigere Werkzeug, weil der horizontale Schnitt direkt am Anschlag des Rahmens liegt – da hat eine normale Säge kaum Platz.

Wichtig dabei: langsam arbeiten und mehrfach nachmessen. Der Schlitz muss nicht schön sein, er verschwindet unter dem Adapter. Aber er muss an der richtigen Stelle sitzen.

Hat das Einschneiden Probleme verursacht?

Bei meinem Fenster bisher nicht. Der Rahmen wurde nicht komplett durchgetrennt, sondern nur mit einem Schlitz versehen, der breit genug für das Leitungsbündel ist. Den Einsatz habe ich außerdem verschraubt, damit er nicht nur klemmt.

Das bedeutet aber nicht, dass das bei anderen Fenstern unkritisch ist. Fensterprofile unterscheiden sich stark. Bitte nicht blind übertragen.

Kommt im Winter kalte Luft rein?

Bei mir keine auffällige Zugluft – im Winter kommt der Blindeinsatz rein, und damit ist die Öffnung wieder geschlossen. Mein Gebäude ist ein älterer Altbau, die Luftdichtheit wird ohnehin nicht nur durch den Adapter bestimmt.

Warum keine richtige Split-Klimaanlage?

Vor allem Kosten und Installationsaufwand. Eine feste Split-Anlage wäre technisch natürlich die sauberere Lösung. In meiner Situation hätte sie aber vermutlich längere Leitungen, Kabelkanäle und deutlich mehr Eingriff in die Wohnung bedeutet. Die PortaSplit war ein guter Kompromiss: effizienter als eine klassische mobile Klimaanlage mit Abluftschlauch, aber weniger invasiv als eine feste Installation.

Warum das Leitungsbündel nicht einfach durchs offene Fenster legen?

Ich wollte eine Lösung, die den Sommer über einfach drin bleibt. Das tägliche Öffnen, Durchführen und provisorische Abdichten war mir nach ein paar Tagen schon zu nervig. Und ein dauerhaft offenes Fenster wollte ich wegen Außenlärm, Kühlleistung und Sicherheitsgefühl nicht.

Warum keine Styrodur- oder Plexiglasplatte?

Kann absolut funktionieren – besonders in ruhigeren Lagen, in oberen Stockwerken oder wenn man nichts am Fensterrahmen verändern möchte. Für mein Fenster zur Straße wollte ich aber keine Lösung, die von außen wie ein dauerhaft zugeklebtes Fenster aussieht. Das war mir wichtig.

Würde ich es wieder bauen?

Ja. Nach zwei Sommern funktioniert die Lösung weiterhin genau so, wie ich mir das erhofft hatte. Kein tägliches Auf- und Abbauen, das Fenster schließt normal, und die PortaSplit fühlt sich dadurch eher wie eine halb-permanente Installation an als wie eine mobile Klimaanlage, die jeden Sommer eine neue Improvisation verlangt.

Angefangen als Lösung für genau ein Fenster

Angefangen hat das als sehr konkrete Lösung für ein sehr konkretes Problem: mein Fenster, meine PortaSplit. Das erste Modell war so spezialisiert, dass es für kaum jemand anderen direkt nutzbar war. Trotzdem kamen nach der Veröffentlichung Rückfragen, Downloads, Diskussionen auf Reddit. Das hatte ich nicht erwartet.

Jetzt, nach zwei Sommern mit der Durchführung und einem Generator, der inzwischen wirklich funktioniert: Es fühlt sich gut an. Nicht als abgeschlossenes Produkt – das ist es nicht – aber als etwas, das tatsächlich nützlich ist und nicht nur für genau mein Fenster.

Wenn du es ausprobierst: Ich freue mich über Rückmeldungen. Bugs, Feature-Wünsche, Erfahrungsberichte aus anderen Einbausituationen – alles willkommen als Issue im GitHub-Repository. Am Schreibtisch kann ich vieles testen, aber nicht jedes Fenster.

Arbeitsstand