3D-Druck

Fensteradapter und Streamlit-App für die Midea PortaSplit

Ein Fensteradapter für die Midea PortaSplit, der eingebaut eher wie ein Teil des Fensters wirkt als wie ein Provisorium und inzwischen auch als Streamlit-Generator nutzbar ist.

Manche 3D-Druck-Projekte sind nette Spielereien. Das hier war eher ein Sommerproblem mit Straßenlärm, Altbaufenster und einer Klimaanlage, deren Leitungsbündel ziemlich klar durch irgendetwas hindurch muss. Also habe ich irgendwann aufgehört, auf eine fertige Lösung zu warten, und mir selbst eine gebaut.

Die Midea PortaSplit ist für mich gerade deshalb interessant, weil sie zwischen klassischer mobiler Klimaanlage und echter Split-Anlage liegt. Kein dicker Abluftschlauch, aber eben auch keine Außeneinheit, die man mal eben abkoppelt. Wenn das Ding draußen stehen soll, muss das Leitungsbündel durch Fenster oder Tür. Irgendwo muss also die Realität in den Fensterrahmen.

Warum ich überhaupt ins Fenster geschnitten habe

Bei meinem Fenster war die improvisierte Lösung schnell keine echte Option mehr. Offen lassen wollte ich es nicht. Dafür ist die Straße direkt davor zu präsent, und sicher fühlt sich das auch nicht an. Diese typischen Stoff- oder Klettlösungen für mobile Klimaanlagen lösen das Kernproblem für mich auch nur halb: Das Fenster bleibt faktisch ein Sommer-Provisorium. Ich wollte etwas, das eingebaut bleibt, sauber aussieht und den Fensterflügel weiterhin normal schließen lässt.

Am Ende hieß das aber auch: kein magischer Clip, der sich folgenlos einklemmen lässt. Für meine Lösung musste ein Schlitz in den inneren Rahmen. Nicht komplett durch den ganzen Fensterrahmen, aber eben doch ein echter Eingriff. Das ist nichts, was ich kleinreden will.

Der geschnittene Innenrahmen mit sichtbarem Durchlass für das Leitungsbündel.
Der Schnitt im inneren Rahmen ist der eigentliche Eingriff, um den sich das ganze Projekt dreht.

Die erste Version war kompromisslos auf mein Fenster gebaut

Der ursprüngliche Adapter war für einen älteren Rahmen im Aubi-Stil konstruiert. Sehr konkret, sehr wenig universell. Die Geometrie war darauf ausgelegt, das Leitungsbündel definiert durch den inneren Rahmen zu führen, während der Flügel weiter schließt und die vorhandene Verriegelung greift. Das System bestand aus drei Teilen:

  • einem festen Basiseinsatz im Rahmen
  • einem Sommereinsatz für die PortaSplit-Durchführung
  • einer Winterabdeckung, wenn die Klima wieder weg ist

Das war im Alltag deutlich angenehmer als tägliches Rein- und Rausgefrickel. Im Sommer bleibt die Durchführung drin. Im Winter kommt ein Blindeinsatz rein, und das Thema ist für ein paar Monate wieder erledigt.

Alle Bauteile des PortaSplit-Fensteradapters in Bambu Studio.
Zu sehen sind Rahmen, Durchführungseinsatz oben und unten sowie der Blindeinsatz.

Was nach knapp einem Jahr Praxis hängen geblieben ist

Das Wichtigste zuerst: Bei meinem Fenster funktioniert das Setup weiterhin gut. Genau so unspektakulär, wie man es bei so einem Teil haben will. Es wirkt nicht wie ein nachträglich angeflanschtes Bastelteil, sondern eher so, als hätte das Fenster genau an der Stelle schon immer diese Durchführung gehabt. Hilfreich war vor allem, dass die PortaSplit dadurch eher wie eine halb-permanente Installation wirkt und nicht wie eine mobile Klimaanlage, die jeden Abend wieder eine neue Improvisation verlangt.

Ein paar Punkte aus der echten Nutzung:

  • Zugluft ist bei mir im Winter kein auffälliges Thema, solange der Blindeinsatz drin ist.
  • Das Fenster schließt weiter normal, was für Lärm und Sicherheitsgefühl der eigentliche Gewinn ist.
  • Der Adapter ist nichts, was ich blind auf andere Fenster übertragen würde. Fensterprofile sind dafür zu unterschiedlich.
Die eingebaute PortaSplit-Durchführung bei vollständig geschlossenem Fenster.
Eingebaut wirkt das Ganze eher wie ein Teil des Fensters als wie ein nachträglicher Fremdkörper.

Der unangenehme, aber notwendige Disclaimer

Das hier ist ein persönliches Maker-Projekt und keine universelle Bauanleitung.

Wer so etwas nachbaut, verändert im Zweifel einen Fensterrahmen. Das kann Dichtigkeit, Stabilität, Gewährleistung, Mietverhältnis, Feuchteverhalten oder Einbruchschutz betreffen. Ich kann nicht beurteilen, ob dieselbe Lösung bei anderen Fenstern sinnvoll oder überhaupt vertretbar ist.

Mehrfach messen, die eigene Situation selbst bewerten und im Zweifel lieber nicht sägen als falsch sägen.

Warum daraus eine App wurde

Nach der Veröffentlichung des ersten Modells kamen ziemlich schnell Rückfragen nach der Konstruktionsdatei. Die habe ich auch herausgegeben, aber ehrlich gesagt ist das eher etwas für Leute, die sowieso schon tief in so einem CAD-Workflow drinstecken. Für normale Nutzung ist die Datei zu wild, zu fensterspezifisch und als Ausgangspunkt nur begrenzt hilfreich. Genau da lag das Problem. Das erste Modell war kein Produkt, sondern im Grunde ein dokumentierter Sonderfall. Interesse war also da, nur die Geometrie war eben zu spezifisch.

Deshalb war der nächste logische Schritt kein neues fixes Modell, sondern ein Generator. Fenster messen, Werte eintragen, Querschnitt prüfen, passende Teile erzeugen, drucken. So ungefähr die Version davon, bei der der unangenehme Teil nicht mehr CAD-Arbeit ist, sondern sauberes Messen.

Was der Generator aktuell kann

Die App ist bewusst auf dieses eine Problem zugeschnitten: eine druckbare Fensterdurchführung für das PortaSplit-Leitungsbündel aus eigenen Messwerten abzuleiten. Der Ablauf ist ziemlich direkt:

  1. Fensterprofil messen.
  2. Maße in die App eintragen.
  3. Den 2D-Querschnitt prüfen.
  4. STL- und JSON-Export erzeugen.

Der 2D-Querschnitt ist dabei fast wichtiger als die Formulare selbst. Ein Zahlendreher sieht in einem Eingabefeld oft harmlos aus. In der Profilansicht merkt man deutlich schneller, wenn die Geometrie plötzlich keinen Sinn mehr ergibt.

Exportiert werden aktuell:

  • einzelne STL-Dateien für die Bauteile
  • ein ZIP mit allen STLs
  • eine JSON-Datei mit der Konfiguration

Die JSON-Datei war mir wichtig, weil STL am Ende nur das Resultat ist. Wenn man später noch einmal nachvollziehen will, was man da eigentlich gemessen hat, braucht man die Parameter dazu und nicht nur die fertige Geometrie.

Deutsche Eingabemaske der Streamlit-App zur Konfiguration der Fenstergeometrie.
Die App führt durch die relevanten Maße, statt dass man direkt in CAD herumstochert.
2D-Geometrievorschau der Streamlit-App für die Fensterdurchführung.
Die Vorschau ist der schnelle Realitätscheck, bevor aus Zahlen druckbare Teile werden.

Technisch ist das Ganze halb Web-App, halb CAD-Werkzeug

Die Oberfläche läuft in Streamlit, weil das für so einen geführten Konfigurator der pragmatische Weg war. Ich wollte kein Frontend-Projekt daraus machen, bevor überhaupt klar ist, ob der Generator in der Praxis für andere Fenster taugt.

Darunter steckt CadQuery. Die Teile werden also nicht aus einer vorbereiteten STL irgendwie gedehnt, sondern aus den Parametern neu aufgebaut. Genau das war der Punkt. Sobald Fensterprofile unterschiedlich werden, ist bloßes Skalieren keine ernsthafte Lösung mehr.

Und ja, das Projekt ist sehr klar mit Vibe-Coding entstanden. Vieles wurde iterativ mit ChatGPT gebaut, umgebaut, geprüft und wieder verworfen. Das hat für diese Mischung aus UI, Geometrie und Export erstaunlich gut funktioniert. Die Richtung kam aber nicht aus dem Promptfenster, sondern aus einem echten Fenster mit echter Klimaanlage und ziemlich konkreten Zwängen.

Was noch fehlt

Auf meiner Liste stehen noch ein paar ziemlich naheliegende Dinge:

  • bessere Erklärungen für einzelne Messpunkte
  • mehr Fotos aus echten Einbausituationen
  • Screenshots aus dem Workflow
  • eine automatisch erzeugte Doku pro Konfiguration
  • zusätzliche Varianten für andere Einbausituationen

Gerade bei den Messpunkten ist noch Luft nach oben. Der Generator kann am Ende nur so gut sein wie das, was man vorne an Geometrie hineinwirft.

Fazit

Was ich an dem Projekt mag: Es hat sich vom sehr speziellen Eigenbau zu einem kleinen Werkzeug verschoben, mit dem andere ihre eigene Variante erzeugen können. Nicht sauber genug für ein Produkt im klassischen Sinn, aber deutlich nützlicher als nur ein einzelnes STL für genau mein Fenster.

Wenn du selbst eine PortaSplit hast und die App ausprobierst, interessiert mich vor allem, ob die Messpunkte verständlich sind und ob die Vorschau hilft, offensichtlichen Unsinn früh zu sehen. Der Rest ist dann wie so oft bei Maker-Projekten: messen, drucken, anpassen, noch einmal drucken.

Arbeitsstand